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Menschen bei einer Konferenz in großem Saal

Und sie bewegt sich doch!

8. Februar 2026
Pfr. Werner Otto zieht eine kritische Bilanz seiner fünfjährigen Mitarbeit im Synodalen Weg

Die VI. Synodalversammlung war kein glorreiches Finale. Gut getan hat der spirituelle Austausch in den Kleingruppen. Die aufgeheizte Debatte über das Monitoring der Beschlüsse empfand ich dagegen eher als Rückfall – vor allem im Vergleich zu dem konstruktiven Miteinander im Synodalen Ausschuss. Den Unmut über die schleppende Umsetzung konnte ich gut verstehen, zugleich aber auch, dass pauschale Zuspitzungen von Bischöfen als verletzend wahrgenommen wurden. Eine fundierte Evaluierung von fünf Jahren Synodalem Weg war in zwei Tagen jedenfalls nicht zu leisten.

Als Pfarrer frage ich mich vor allem: Was ist bei den Menschen angekommen? Noch vor allen Einzelbeschlüssen hat sich für viele die Botschaft vermittelt, dass der Synodale Weg ein ernsthafter Versuch war, die systemischen Ursachen sexualisierter Gewalt anzugehen. Dass die Kirche diese Verantwortung übernimmt, wird von vielen positiv und auch mit Erleichterung wahrgenommen – auch wenn auf diesem Weg noch viel zu tun ist. Ausdruck dieser Bereitschaft, sich mit den systematischen Ursachen intensiv auseinanderzusetzen, sind die von der Synodalversammlung beschlossenen Grundtexte zu Macht und Gewaltenteilung, zur Geschlechtergerechtigkeit und zum Verständnis des Priesteramts.

Die größte unmittelbare Wirkung entfalteten aus meiner Sicht jene Beschlüsse, die eine Neuausrichtung im Umgang mit Menschen markieren, die durch kirchliche Lehre oder Praxis verletzt oder ausgegrenzt wurden: wiederverheiratete Geschiedene, queere Menschen, aber auch verheiratete Priester. Der Synodale Weg setzt hier ein deutliches Zeichen für eine inklusivere Kirche, die Menschen in vielfältigen Lebensformen anerkennt und ihnen mit Respekt, Segen und Nähe begegnet. In vielen Gesprächen mit Betroffenen erlebe ich, dass dieses Signal ankommt – und kaum dadurch relativiert wird, dass die Beschlüsse des Synodalen Wegs die „offizielle“ Lehre der Kirche nicht verändern. Gerade in Fragen der Sexualmoral hat „Rom“ für viele längst seine Autorität eingebüßt. Umso deutlicher wird die Veränderung von Haltung und Praxis in der Kirche in Deutschland wahrgenommen. Auch hier bleibt freilich noch einiges zu tun.

Ein großer Erfolg des Synodalen Wegs ist für mich, dass er den Weg zu einer synodaleren Kirche geöffnet hat. Die Satzung der Synodalkonferenz und der Handlungstext „Gemeinsam beraten und entscheiden“ schaffen tragfähige Grundlagen für Partizipation, Rechenschaftslegung und Transparenz auf Bundesebene und in den Diözesen. Ich freue mich, dass die VI. Synodalversammlung mit einer Quotenregelung den Zugang junger Menschen zur nächsten Synodalkonferenz gesichert hat. Im Synodalen Ausschuss war zuletzt ein gewachsenes Vertrauen spürbar – bis hin zu einstimmigen Beschlüssen. Das macht mir Hoffnung für den weiteren Weg.

„Und was ist mit den Frauen?“ Diese Frage im Plenum markiert die größte Schwäche des Synodalen Wegs. Es sind theologisch starke Texte entstanden, insbesondere der Grundtext des Frauenforums, der eine breite Rezeption verdient. Doch all diese Texte und auch das ernsthafte Bemühen, Frauen an vielen Orten in Leitungspositionen zu bringen, ändern nichts am fortbestehenden Skandal ihrer Ausgrenzung vom Priesteramt. Daran konnte der Synodale Weg nichts ändern. Die Enttäuschung darüber war allerdings vorprogrammiert.
Nicht alles ist auf dem Synodalen Weg gelungen, und viele seiner Beschlüsse werden sich erst bewähren müssen. Vor allem aber hat der Synodale Weg performativ etwas verändert: Hinter das gemeinsame Beraten und Entscheiden gibt es kein Zurück mehr. Nur einer wirklich synodalen Kirche kann es in Zukunft gelingen, glaubwürdig die Botschaft des Evangeliums zu verkünden und sich am gesellschaftlichen Dialog zu beteiligen.

Wer mehr lesen möchte: Im theologischen Feuilleton „Feinschwarz“ ist ein Artikel von mir erschienen, in denen es um eine Bilanz des Synodalen Wegs geht. Über die Debatte darum haben auch Katholisch.de und Vaticannews berichtet.

Original-Artikel auf Feinschwarz

Bericht auf Vaticannews

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